Ich mach Schluss und es liegt nicht an mir – es liegt an Dir

Wer mich kennt, weiß, dass ich lange Jahre eine große Sympathie für das Radio gehegt habe. Meine Karriere hatte einige Stationen bei dem Medium und auch sonst hat es mich überall auf der Welt begleitet. Selbst in der australischen Wüste, in der Pferde- und Hunderennen auf Mittelwelle übertragen werden.

Zurück im Süden Deutschlands bin ich nun aber nicht mehr bereit, das, was da tagtäglich aus meinen Auto-Lautsprechern quillt, zu ertragen.

Ganz ehrlich: Ich will nicht mit der Früher-war-alles-besser-Leier anfangen. Aber wann wurde beschlossen, dass alles, was im Radio gesagt wird, pauschal lustig ist? Seit wann müssen Moderationen keinen Inhalt mehr haben? Ich meine wirklich gar keinen.

Klar, Radio ist ein Nebenbei-Medium und soll als solches in erster Linie unterhalten. Unterhaltung erfordert aber auch Überraschung und Spaß.

Dazu möchte ich zwei schöne Beispiele bringen:
Gestern wurde der deutsche Radiopreis verliehen, der in seiner Bedeutungslosigkeit leider nur noch vom deutschen Fernsehpreis übertroffen wird. Der Preis für die beste Innovation ging an DASDING mit „News for Natives“. Flugs auf den Link geklickt, der ein Beispiel liefern soll, ertönt eine normale Nachrichtensendung. Keine Erläuterung, keine Laudatio – nix.

Bei genauerer Recherche stosse ich auf folgende Erläuterung:

„Die “News for Natives” sind ein multimediales Nachrichtenangebot, das auf junge Zielgruppen ausgerichtet ist. Um dieses Publikum mit fundierten Nachrichten zu erreichen, müssen diese parallel auf den Ausspielwegen Hörfunk und Online sowie mobil angeboten werden. Die Inhalte eines solchen “360 Grad Angebots” müssen dabei aus einem Guss sein.“

(Quelle: http://www.deutscher-radiopreis.de/preis/nominierte/nominierteinnovation107.html)

 

Wollt ihr mich verarschen? Das ist keine Innovation, das ist das Crossmedia 1×1.

Btw: wer wissen möchte, wie erfolgreich diese Innovation im täglichen Programmablauf war, dem empfehle ich mal, auf den Websites des SWR oder von DASDING danach zu suchen. Wer außer Nachrichten zum Radiopreis was findet, möge es an mich mailen.

Außerdem heute im Radio: ein Spiel, dass an Komplexität nicht zu überbieten ist.

ACHTUNG:

Zuerst muss der Hörer, nachdem er den Aufruf gehört hat, auf die Website gehen (natürlich), dort auf einen Banner klicken und sich eintragen.

DANN muss der Hörer jeden Tag zu festgelegten Zeiten Radio hören und hoffen, dass sein Name als einer von dreien genannt wird.

DANN muss der Hörer innerhalb einer festgelegten Zeit beim Sender anrufen und durchkommen und der erste sein UND DANN erst bekommt er zwei Karten für einen zweitklassigen Comedian.

Ganz ehrlich: Wer da mitmacht hat auch nachts bei 9Live angerufen und gedacht, er gewinnt was.

Was ich damit sagen will: Das Radio  hat seine ursprüngliche Funktion, nämlich mich zu informieren und mit Musik zu unterhalten, zugunsten des Selbstzweckes bzw. der Selbstvermarktung aufgegeben.

Es gab mal einen Musik-Fernsehsender, der es ähnlich gemacht hat. War kein Erfolgsmodell.

Falls mir jemand jetzt flammend entgegenschleudern möchte, dass Radio gar nicht immer das gleiche sendet, dem möchte ich mein Radio-Bingo empfehlen. Im Anhang zum runterladen und ausdrucken. Wer in einer kompletten Morningshow nicht mindestens eine Reihe vollkriegt, darf mich einen Lügner heißen!

Hier geht’s zum Radio-Bingo.


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