„Macht mal das Bild frei“ oder die Kunst des Wegsehens

Samstagabend war ich auf einer Veranstaltung bei der sich ein Kleinkünstler in einem Text darüber ausließ, dass er seinen Nachbarn mehr oder weniger beim Sex zusehen musste, weil diese weder das Licht ausmachten noch die Gardinen zuzogen.

Das ist deswegen für mich interessant, weil das in letzter Zeit die dritte Gelegenheit ist, bei der sich jemand öffentlich zu exakt diesem Thema auslässt. Es begann mit einem bemüht lustig-kritischen Beitrag einer der Spiegel-Kolumnistinnen, die sich darüber echauffierte, dass Menschen beim Sex Geräusche machen, die sie hört, wenn – und das ist der spannende Punkt – ihr Fenster offen ist.

Könnte man auch zu machen, aber hey – das wäre ziemlich einfach und man könnte nicht anderen den Spaß an irgendwas verderben.

Dann vor ein paar Tagen im Radio wurde die „Community“ gefragt, wie es denn so sei mit den lieben Nachbarn. Also ruft eine junge Dame an und berichtet in breitestem „mannemerisch“, dass Sie in einem Eckhaus wohne und daher das qualvolle Privileg habe, ganz besonders vielen Menschen in die Wohnung schauen zu können. Das schlimmste ist, dass sie dabei einem jungen Mann zusehen kann der „sich die Pickel vor dem Rechner ausdrückt und manchmal ruckartige Handbewegungen unter dem Tisch macht“.

Hier ist der Punkt, den ich interessant finde:
Wer zwingt diese Menschen dazu sich andere anzuschauen oder anzuhören?

Verrückte Idee: wie wäre es bei sich selbst anzusetzen und einfach nicht hinzuschauen, statt sich öffentlich zu beschweren? Klar, dann gibt’s kein Honorar vom Spiegel und keine 15 Sekunden Aufmerksamkeit im Radio.

Aber vielleicht laufen die Dinge ein wenig einfacher, wenn jeder erst einmal nachdenkt, ob er sein Problem nicht selbst lösen kann, statt ein Riesenfass aufzumachen und andere mit reinzunehmen.

Nur so eine Idee.


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